Sehr geehrter Herr LH Pröll.
Ich bin Jahrgang 1965, in Traiskirchen aufgewachsen und wohne seit 25 Jahren selbst in einem Einfamilienhaus in Traiskirchen in der Nähe des Lagers. Ich hatte noch nie Probleme mit Asylwerbern aus dem Lager, im Gegenteil: Als ich 2003, in der Zeit als das Lager kurz vor Weihnachten wegen "Überfüllung" geschlossen wurde eine Frau mit zwei Kleinkindern bei mir aufgenommen habe, wurde ich sogar dafür angezeigt.
Ich finde es sehr bedenklich wenn die ÖVP Traiskirchen in ihrer aktuellen Aussendung behauptet, dass jeder vierte Asylwerber in die Illegalität abwandert, da dies - wenn dem so ist - auch einen Grund hat. Welchen, den hinterfragen sie am Besten selbst in der aktuellen Asylpolitik, denn wenn Asylwerber vom ersten Moment an von Abschiebung bedroht sind, darf man sich nicht wundern, wenn die sich einen "Plan B" überlegen.
Solche und andere Statements schüren nur die Ängste in der Bevölkerung, auch von anderen Gemeinden wie z.B. auch in Eberau. Die Schuld, gerade nach der Vorgangsweise wie in Eberau, dann auf andere Fraktionen zu schieben ist billigster Populismus!
Ich darf sie auch daran erinnern, dass in den letzten zehn Jahren AUSSCHLIESSLICH ÖVP Innenminister für das Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen verantwortlich zeichneten und sich genau in dieser Zeit die Unruhen in der Traiskirchner Bevölkerung was das Lager betrifft, verschärft haben.
Auch ich bin für eine Entlastung Traiskirchens, auch bzw. vor allem aus dem Grund der humanitären Umstände im Lager, denn noch immer werden dort Asylwerber aus verschiedensten Völkern mit verschiedenen Religionen auf engstem Raum untergebracht, und das ist so nicht tragbar und wiederspricht auch allen psychologischen Erkenntnissen.
Genauso wie ein Abschieben z.B. nach Griechenland menschenrechtlich bedenklich ist, wenn man weiss wie Griechenland mit Asylwerbern umgeht.
Aus meiner Sicht der Dinge sollte Herr Sima aus seinen Erfahrung heraus offen für Andere, die in einer ähnlichen Situationen sind in der auch war, sein und sich nicht mit denen verbünden, die Hilfesuchenden Prügel vor die Füsse werfen und sie dafür diskriminieren, weil sie die Zustände in ihrer Heimat nicht mehr ertragen. Schliesslich ist auch er - um es mit Worten von Hardlinern zu formulieren - "von zuhause weggelaufen", statt sich dort für demokratische Werte einzusetzen.
Er sollte es eigentlich wissen was es bedeutet, alles zurückzulassen und zu flüchten, vor dem politischen Feind oder vor Besatzern, eine Situation wie es jetzt z.b. hunderte in Tschetschenien oder in Afganistan erleben.
Volle Härte für Kriminelle, egal woher sie kommen, aber Menschlichkeit und Nächstenliebe für die, die es verdienen!
Hochachtungsvoll
Ing. Andreas Holy
von: holy
[18.02.2010 19:03:00]
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[traianus, 20.02.2010 18:25:00]